1903 - Historie Harley Davidson
Wir schreiben das Jahr 1903. In Serbien wird der russlandfreundliche Peter I. neuer König, nachdem das Königspaar in Belgrad ermordet worden ist. In Kolumbien trennt sich der Teilstaat Panama ab und verpachtet den USA den zum Bau des gleichnamigen Kanals benötigten Landstreifen. Den Brüdern Wilbur und Orville Wright gelingen im amerikanischen Kitty Hawk mehrere kontrollierte Motorflüge – der längste mit einer Dauer von 59 Sekunden. Sie werden ihre Flugkünste weltweit vorführen. In Paris startet die erste Tour de France. In der Südsee stirbt der Maler Paul Gauguin.
In einem Hinterhof der amerikanischen Stadt Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin stellen die Davidson-Brüder Walter und Arthur zusammen mit William "Bill" Harley in jenem Jahr ihr erstes Motorrad fertig. Arthur Davidson ist Modellschreiner, Bill Harley technischer Zeichner - beide sind passionierte Tüftler, fasziniert von den Möglichkeiten der aufkommenden Motorisierung. Mit den Vorarbeiten begonnen haben sie schon zwei Jahre zuvor, doch erst nachdem auch Walter Davidson, Eisenbahn-Maschinist von Beruf, sich zum Mitmachen überreden ließ, wird aus den ambitionierten Basteleien die ernsthafte Konstruktion eines serientauglichen Motorrads. Die drei zimmern sich auf dem Grundstück des Davidson-Elternhauses in der 38. Straße, Ecke Highland Avenue eine Bretterbude zusammen, pinseln "Harley-Davidson Motor Co." auf die Tür und beginnen mit der Produktion - nach Feierabend und am Wochenende. In diesem ersten Jahr verlassen bereits drei Harley-Davidson Motorräder die winzige "Fabrik". Nicht von ungefähr hören sie auf den Namen "Silent Grey Fellow". Die drei Zweiradpioniere haben ihren treuen "Gefährten" grau lackiert und er arbeitet für seine Ära recht leise. Sein Motor hat einen Zylinder mit 400 cm3 Hubraum, knapp drei PS, ein atmosphärisch gesteuertes Einlassventil - das so genannte "Schnüffelventil" - und Riemenantrieb. Das Motorrad verfügt, wie damals üblich, über keine Kupplung, kein Getriebe und keine Federung, wird dafür aber in grundsolider Handarbeit hergestellt. Von Beginn an wartet der Silent Grey Fellow mit einer außerordentlich hohen Zuverlässigkeit auf – überaus wichtig in einem Land, in dem unendlich lange Distanzen auf einsamen und schlechten Straßen zu überbrücken sind. Entsprechend groß ist die Nachfrage in jenen ersten Tagen der Motorisierung. Mithin müssen die drei expandieren. Schon 1904 verdoppeln sie die Grundfläche ihres Schuppens und produzieren immerhin bereits sechs Motorräder.
In punkto Design greift den jungen Konstrukteuren Bills Tante Janet Harley, eine künstlerisch ambitionierte Frau, unter die Arme. In klassischen Lettern, Rot und Gold malt sie die beiden Familiennamen auf den Tank des Silent Grey Fellow. Wenngleich die Formgebung der Ur Harley noch stark an ein Fahrrad erinnert, folgt sie doch bereits konsequent der Funktion – ein Grundsatz, der sich auch in späteren Zeiten nicht ändern soll.
Dem Silent Grey Fellow steht eine große Zukunft bevor. Es soll sich herumsprechen, dass die erste produzierte Harley-Davidson binnen zehn Jahren 100.000 Meilen zurücklegen wird. 15 Jahre lang wird Harley-Davidson das Modell herstellen. Doch greifen wir der Geschichte nicht vor.

















